Gewalt gegen Lehrer

Gewalt gegen Lehrer

Das sind doch nur Einzelfälle - oder nicht?

45.000 Lehrkräfte sind hochgerechnet in den vergangenen fünf Jahren Zielscheibe von Schülerattacken geworden - können wir da allen Ernstes noch von Einzelfällen sprechen?

 

Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes "Bildung und Erziehung" (VBE) zeigt, dass Gewalt von Schülern gegenüber Lehrern zunimmt. Mehr als 60% der Schulleiter berichten von Fällen, in denen Lehrer psychische Gewalt erlebten. Physische Gewalt erlebten sogar 34% - 2018 waren es noch 26%. Davon besonders betroffen sind Grundschulen.

 

Lehrkräfte werden bedroht, beleidigt, gemobbt, belästigt - über das Internet diffamiert - körperlich angegriffen.

 

Die persönlichen Angriffe und Beleidigungen, vielfach in sozialen Netzwerken, reichen dabei von YouTube-Videos über illegal aufgenommene Unterrichtsmitschnitte bis hin zu gezielter Lehrerhetze in WhatsApp-Gruppen ganzer Klassen.

 

Zunehmendes Interesse an Rechtsberatung nach Gewaltvorfällen

 

Gewalt gegen Lehrer war lange Zeit ein absolutes Tabuthema. Was ist der Grund dafür? Schulleitungen fürchten laut Umfrage, der Ruf der Schule könne leiden, wenn sie Gewalttaten melden. Außerdem gaben sie an, Gewaltvorfälle zu melden, sei zu bürokratisch. Gleichzeitig berichten sie schulformübergreifend von mehr Gewalt an ihrer Schule und darüber, dass sie ihre Lehrkräfte im Umgang mit Gewalt nicht immer ausreichend unterstützen können.

 

Tätliche Angriffe durch Eltern

 

Die Gewalt geht nicht nur von Schülern aus. Auch Eltern werden häufiger verbal übergriffig oder greifen sogar tätlich an, auch wenn Letzteres seltener vorkommt.

 

Was muss sich dringend ändern?

 

Vorfälle von Gewalt dürfen nicht bagatellisiert und verschwiegen werden. Lehrer müssen besser auf den Umgang mit Konflikt- oder Bedrohungssituationen vorbereitet sein. Eine entsprechende Aufmerksamkeit ist schon in der Lehrerausbildung nötig. Schulen brauchen klare Strukturen im Umgang mit Gewalt. Angst vor Reputationsverlust und persönliches Schamgefühl dürfen nicht der Grund für Passivität und Einzelkämpfertum sein.

 

"Wir brauchen eine Gewaltkultur, die einen souveränen und zivilcouragierten Umgang mit sozialen Konflikt- und Bedrohungssituationen ermöglicht."

Zeigt Euren Mut und bleibt gesund!

 

Nicole Jansen

(Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung, tagesschau.de, polizei-dein-partner.de)